Kurzmitteilungen: Neues aus der Festung

Führungen bot der Verein am „Tag des offenen Denkmals 2018“ durch das an der Lerchenwuhne zwischen den Stadtteilen Nordwest und Neustädter Feld gelegene Fort VI an. Zu den Führungen, die einen großen Anklang fanden, kamen rund 250 Teilnehmer. Es häufen sich auch die Anfragen nach weiteren Führungen, denn das Fort ist nicht öffentlich zugänglich.
Worin besteht die Bedeutung des Forts VI? Die Wälle des Forts wurden 1866 aufgeworfen. Der Ausbau mit massiven Kasematten fand 1873 seinen Abschluss. Der Graben, der die Anlage umschließende Wall und die Kasematten haben sich bis heute erhalten. Das ist in keinem der anderen Magdeburger Forts der Fall. Es steht insgesamt unter Denkmalschutz. Im „Denkmalverzeichnis der Landeshauptstadt Magdeburg“, in dem es exakt beschrieben wird, wird seine Bedeutung durch die Feststellung charakterisiert: „… am besten erhaltenes Fort seines Typs im Fortgürtel“. Hinzu kommt, dass sein Graben abschnittsweise ein Biotop ist. Zum Tag des offenen Denkmals wurde ein Informationsblatt verfasst, das auch über die Homepage des Vereins abrufbar war.
Das Fort war einst ein Übungsfort des Militärs. Auf seinem Grundstück befindet sich daher nicht nur die von Wall und Graben umschlossene Wehranlage, sondern rückwärtig auch eine große mit ruinösen Gewerbegebäuden bestandene Fläche. Das Fort VI rückte in den 1920er Jahren durch die Nutzung als Waldschule, eine progressive reformpädagogische Bewegung, in das öffentliche Interesse. Im Zuge der Kriegsvorbereitungen wurden die Kasematten in der Mitte der 1930 Jahre für den Luftschutz verändert. Später wurde die Wehranlage von der Zivilverteidigung der DDR als Übungsgelände benutzt. Straßenseitig wird das Grundstück seitdem von einer Mauer begrenzt.
Seit 1990 ist die Wehranlage weitgehend sich selbst überlassen. Die Funktion einer Wehranlage ist dadurch kaum noch zu erkennen. Um am Tag des offenen Denkmals überhaupt Führungen durchführen zu können, musste das Fort über mehrere Wochen hinweg von Vereinsmitgliedern freigeschnitten werden. Das regt dazu an, über die Zukunft des Forts erneut nachzudenken.

Dem Erhalt des Forts als Denkmal drohen zwei Gefahren: Es wird weiterhin der Natur überlassen oder es wird insgesamt an private Investoren veräußert.
Die unbeeinflusste Überlassung des Forts der Natur würde bedeuten, dass die „bombensicheren“ Eisenträgerdecken der Kasematten nach und nach einstürzen und dass Baumwurzeln die Gewölbe der Pulvermagazine beschädigen. Die Erosion setzt bereits jetzt schon den Böschungswällen zu. Jeder umstürzende Baum reißt ein Loch in den Wall.
Wird das Gesamtgelände privaten Investoren überlassen, sind diese daran interessiert, die freien Flächen zu bebauen und auch den Innenhof der Wehranlage einer kommerziellen Nutzung zuzuführen. Die Kasemattenöffnungen würden möglicherweise zugemauert und einem Verfall Vorschub geleistet werden. Der Denkmalcharakter läuft Gefahr zu eine „Denkmalerinnerung“ zu werden.

Der Tag des offenen Denkmals hat gezeigt, dass ein hohes Bürgerinteresse am Fort VI besteht. Die Übertragung der Trägerschaft an einen Verein würde sicherlich jene Initiativen entfalten, wie sie vom Sanierungsverein Ravelin II e.V. ausgelöst wurden. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie engagierte Bürger dafür arbeiten, das Fort instand zu setzen und zu nutzen. Es kann zu einem Ort der Erholung und Begegnung in diesem Stadtteil werden, an dem beispielsweise Jugendgruppen gefahrlos durch die Wälle geschützt in der Stadt und gleichzeitig in der Natur befindlich zelten könnten. Es könnte gefeiert und gegrillt werden. Auch musikalische Veranstaltungen sollten möglich sein. Kann das Gelände um das Fort mit einbezogen werden, könnte sogar eine Parklandschaft entstehen, die über das bestehende Wegenetz mit dem Flora park verbunden wird.
Das Fort VI sollte also der Öffentlichkeit, gerade den Bürgern der Umgebung stets oder auch nur zeitweilig zugänglich sein. Die Initiative der Bürger - in welcher Organisationsform auch immer - ist eine Voraussetzung dafür, das zu erreichen, was mit dem Fort II angestrebt wird. Dabei kommt eine Überlassung des Forts an einen Verein als eine gangbare Lösung in Betracht. Warum soll das nicht möglich sein?!
Fleißige Helfer
Fleißige Helfer
Mitglied Sascha Schmiedecke und Besucher Prof. Dr. Matthias Puhle.
Ehrenbürgermeister
Ehrenbürgermeister
Dr. Willi Polte -Bildmitte-
Viele Besucher
Viele Besucher
Großer Andrang schon vor der Führung.
Vorführung
Vorführung
Mitglied Sascha in seinem Element
Zugang
Zugang
Ein umgestürzter Baum
blockierte Zugang und
Rampe zum
Gebrauchspulvermagazin
Zugang
Zugang
Freigelegt
Gereinigter Gang
Gereinigter Gang
des Gebrauchspulvermagazins
Im Urzustand
Im Urzustand
Ziegelboden
Gesäubert
Gesäubert
Ziegelboden
Scharnier
Scharnier
Gebrauchspulvermagazin
Torbogen
Torbogen
Gebrauchspulvermagazin
Rampe gesäubert
Rampe gesäubert
Gebrauchspulvermagazin
Lichtschächte
Lichtschächte
Freigeschnittene Mitteltraverse
Linkes Labor
Linkes Labor
Mannschaftskasematte
Rechtes Labor
Rechtes Labor
Mannschaftskasematte
Blick in den Graben
Blick in den Graben
Besucher auf der Brustwehr
Interessierte Besucher
Interessierte Besucher
Mit Plänen wurden alle Details erklärt
Zum Fort
Zum Fort
Freigeschnittener Weg
 Speziallaboratorium 2
Speziallaboratorium 2
Zugang
 

Elbfront / Nordabschnitt /Stadtmauer
Beim Abriss von Gebäuden der ehemaligen Bezirkshygiene-Inspektion wurden Reste in der Fortführung der zwischen Walloner- und Petrikirche erhaltenen Stadtmauer freigelegt. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt untersucht die Befunde.

Elbfront / Fürstenwall
Von einer Überbauung des Südabschnitts des Fürstenwalls wurde in der VS-Ausgabe vom 31. Dezember 2018 unter der Überschrift „Streit um Stadtmauer-Bebauung“ berichtet. Stellungnahmen bzw. Meinungsäußerung folgten.
Bei dem besagten Abschnitt handelt es sich um die teilweise Überbauung einer Zwingeranlage, die letzte ihrer Art. Sie wurde 1722 auf Veranlassung des Festungsgouverneurs Leopold I. von Anhalt-Dessau von dem Magdeburger Festungsbaumeister v. Walrave ausgeführt und zugleich als Promenade gestaltet. Dadurch wurde es möglich, Geschütze entlang der Elbfront aufzustellen. Dieser Bereich wurde nach 1850 wiederholt verändert, so dass das heutige Erscheinungsbild nur noch annähernd dem ursprünglichen Zustand entspricht. Mit der geplanten zweigeschossigen Bebauung würde erneut der Blick auf den Gebäudekomplex des Doms verstellt werden.

Nordwestfront
Im Zusammenhang mit der Errichtung des Baukomplexes Luisenturm sind bauvorbereitende Maßnahmen erforderlich. Bei der Verlegung von Leitungen parallel zur Erzbergerstraße stieß man auf frühneuzeitliche Mauerreste. Es handelt sich dabei um die äußere um 1500 angelegte Stadtgrabenmauer. Auf dem Abschnitt der ca. 2 Meter breiten Bruchsteinmauer setzt eine schmalere auf. Diese Mauer bildete später die Kehlmauer der zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichteten Bastion Magdeburg. Bei der Grabenverfüllung um 1879 wurde die Mauer nur im oberen Bereich abgetragen. Die Baugrube mit der Mauer ist bereits wieder verfüllt worden.

Westfront / Ulrichstor
Im Oktober 2018 wurden im Zusammenhang mit Bauarbeiten am Bahnhof Magdeburg Hbf im Bereich Damaschkeplatz - Bahnanlagen ein Teil des Fundaments des Neuen Ulrichstors vorübergehend freigelegt. Zum Ulrichstor wird in einer der nächsten Ausgaben des FB ausführlich berichtet werden.

Westfront / Ravelin II
Der Stadtrat der Landeshauptstadt fasste am 06. Dezember 2018 den Grundsatzbeschluss zur „Sanierung und Wiederbelebung der Festungsanlage Ravelin II“ (DS0319/18). Ziel ist eine Komplettsanierung (Innenausbau der Kasematten und Außenbereich des Ravelins II).

Westfront / Hauptgraben
Der Stadtrat der Landeshauptstadt befasste sich am 06. Dezember 2018 mit der Sanierung der Eskarpenmauer im Hauptgraben zwischen Ravelin II und Liebknechtstraße (DS0431/18). Die beabsichtigte Sanierung soll im Rahmen der Städtebauförderung erfolgen, für die 3 Mill. € beantragt werden.

Westfront / Wallmeisterhaus im Kavalier IV
Der Verein Freunde der Festung Magdeburg beantragte am 07. Nov. 2018 die Unterschutzstellung des Wallmeisterhauses als Baudenkmal. Es befindet sich im Kehlbereich des Kavaliers IV. Seine heutige Anschrift lautet: 30104 Magdeburg, Maybachstraße 3. Das verkleidete Fachwerkhaus wurde zwischen 1870 und 1875 errichtet. Nach 1900 wurde es von der Eisenbahnverwaltung erworben und für Dienstwohnungen genutzt. Es dürfte das letzte Wallmeisterhaus der deutschen Festungen überhaupt und auch das letzte Fachwerkgebäude dieser Art innerhalb der Festung Magdeburg sein.

Südfront / Neues Leipziger Eisenbahnfestungstor
Der Verein Freunde der Festung Magdeburg beantragte am 15. Januar 2019 die Unterschutzstellung der unterirdischen Bauwerke des Neuen Leipziger Eisenbahntors. Es wird auch als Buckauer Tor bezeichnet. Sie befinden sich unter den Eisenbahngleisen in der Höhe der Straße Am Buckauer Tor.

Südfront / Kavalier I
Der Stadtrat der Landeshauptstadt beschloss auf seiner Sitzung am 22. Januar 2018 zum Kavalier I die „Fortführung des Verfahrens der Planungsziele zum vorhabensbezogenen Bebauungsplan Nr. 242-2.1 (DS03771/17) Hammersteinweg Ostseite“. Ziel ist es, für den Bereich Hammersteinweg (Ostseite) / Grabenmauer zur Sternbrücke und östliche Wegbegrenzung (parallel zur Stromelbe) als vorhabensbezogenes Satzungsverfahren unter der B-Plan-Nr. 242-2.1 „Hammersteinweg Ostseite“ fortzuführen. Nach Auskunft des Dezernats für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr befindet sich der Plan noch im Prozess der Erarbeitung und Abstimmung. Die Bekanntmachung verbunden mit der 14tägigen Offenlegung des Aufstellungsbeschlusses wird zu einem noch zu bestimmenden Zeitpunkt erfolgen.
Festung Magdeburg insgesamt
Die Landeshauptstadt bewirbt sich um die Teilnahme an dem INTEREQ-Projekt „Recapture the fortress cities“ das darauf abzielt, einen Erfahrungsaustausch zwischen ehemaligen Festungsstädten zu gemeinsam festzulegenden Problemstellungen zu organisieren, z.B. zu Sanierungsaufgaben und zur Nutzung von Festungswerken. Das Projekt, das zu 85% von der EU gefördert wird, ermöglicht es, in Magdeburg über drei Jahre hinweg einen Mitarbeiter zu beschäftigen. Die Teilnahmebestätigung wird erwartet.

Festungswerke

Zitadelle
Die Vorbereitungen für den „Ersatzneubau Strombrückenzug“ werden trotz Verzögerung des Baubeginns fortgesetzt. (siehe Ausg. 01-02/2018 FB). Waren bereits 2017/2018 Suchgrabungen durchgeführt worden, bei denen Reste des Ziegeltors und der Flankenmauern der Bastion Kronprinz freigelegt und anschließend wieder verfüllt wurden, finden diese im Zusammenhang mit der Erkundung der Baugrundverhältnisse für die neu anzulegende Stadtparkerschließung eine Fortsetzung. Sie wird parallel zum Zollhafen zwischen den Bastionen Kronprinz und Markgraf verlaufen. Der untere Teil der Facenspitze der Bastion Markgraf und die nach Süden sich anschließende Grabensperrmauer liegen frei. Bei den erneuten Suchgrabungen stieß man auf Mauerwerk der nördlichen Face. Dabei wurde eine Mauerwerksbreite von ca. 380 cm festgestellt.  Während die Fundamente aus vermörteltem Bruchsteinmauerwerk bestehen, erhielt das aufgehende Mauerwerk eine Backsteinverkleidung. Weiterhin bemerkenswert ist die sorgfältig ausgeführte Erdaufschüttung innerhalb der Bastion, waren doch auf ihr Geschütze aufzustellen. Vor der Face wurde das Gelände 1926 / 1927 mit Abbruchschutt der Zitadelle verfüllt.

Friedrichstädter Umwallung (Brückfeld)
Bei bauvorbereitenden Maßnahmen zur Neuanbindung der Cracauer Straße an den Heumarkt wurde die innere Grabenmauer der äußeren Befestigung der Friedrichstädter Umwallung vorübergehend freigelegt. Der Mauerabschnitt hat eine Breite von ca. 80 cm und besteht aus vermörteltem Bruchsteinmauerwerk. Die Mauer ist wahrscheinlich beim Umbau der Friedrichstädter Umwallung in den 1860er Jahren errichtet worden. Reste des einst dort befindlichen Cracauer Tores wurden bei der Baumaßnahme nicht festgestellt. Die Mauerreste werden weitgehend überbaut werden.

Am Charlottentor
An der Straße Am Charlottentor, einst ein Abschnitt der inneren Wallstraße der Friedrichstadt (Brückfeld), wurden im Südabschnitt die bisher noch vorhandenen straßenbegleitenden Robinien gefällt. Das endgültige Verschwinden dieses Straßenabschnitts ist abzusehen.

Am Unterbär
Die Kleingartenanlage Am Unterbär befindet sich seit Jahrzehnten im einstigen Wall-Graben-Bereich der Friedrichstadt (Brückfeld). Die Absicht, einen Teil der Anlage für einen Schulneubau zu nutzen, stieß auf den Widerstand der Gartenpächter.
Die Friedrichstadt war von der Alten Elbe und von Gräben umschlossen, die im Armierungsfall geflutet und danach wieder trockengelegt werden konnten. Das erfolgte über ein Ein- und ein Auslaufbauwerk, nämlich den Oberbär und den Unterbär. Die Bauwerke wurden um 1900 im Zusammenhang mit der Schleifung der Festungswerke beseitigt. Ein Bär glich einer Schleusenkammer mit einem gewässerseitigen Verschlusstor.
Vorbemerkung
Die Autoren der Beiträge sind Uwe Elzholz, Dr. Bernhard Mai und Sascha Schmiedecke.

Tagungen und Veranstaltung

Vom 21. bis 23. September fand in Magdeburg die 37. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft Festungsforschung statt. Das Motto der Tagung „Technische und bauliche Aspekte der Festungs- und Belagerungsartillerie“. Tagungsort war das Gesellschaftshaus im Klosterbergegarten. Eine Tagesexkursion führte zu Werken der Kernfestung.

Zum Wochenende am 2. Advent lud der Sanierungsverein Ravelin II zum „Advent im Ravelin II“. Es fanden sich laut VS 5000 Personen ein, um ein vielfältiges Kulturprogramm zu erleben und sich vom Fortgang der Sanierungsarbeiten zu überzeugen.
Die Friedrich Neumann Stiftung lud zusammen mit der Graf-Kessler-Gesellschaft zu einer Veranstaltung ein, die am 22. Oktober 2018 in Palais am Fürstenwall (Staatskanzlei) stattfand. Auf ihr wurde das Zusammenwirken von Jósef Piłsudski und Harry Graf Kessler in den Jahren 1916 bis 1919 gewürdigt. Piłsudski entwickelte in seiner Magdeburger Festungszeit seine Gedanken für ein neues Polen. Auf der Veranstaltung wurde der von der Kessler-Gesellschaft veranlasste Dokumentarfilm „Der Marshall und der Mann von Welt - Harry Graf Kessler und Jósef Piłsudski“ uraufgeführt. Zwei renommierte polnische Historiker hielten Vorträge, die interessante Einblicke in die Frühzeit der polnischen Republik gaben. Im Vortrag von Włodzimierz Boradziej, Verfasser der „Geschichte Polens im 20. Jahrhundert“ und des erst kürzlich erschienenen Buches „Der vergessene Weltkrieg - Europas Osten 1912-1923“ beleuchtete er Aspekte der polnischen-deutschen Beziehungen vor allem unmittelbar nach der Rückkehr Piłsudskis nach Warschau. Kessler, erster Botschafter des Deutschen Reiches in Warschau, bewerkstelligte von dort die Rückführung der deutschen Truppen aus Russland durch das neu entstandene Polen hindurch. Am 7. November 2018 wurde im Ravelin II eine Ausstellung zum Leben und Werk von Piłsudski eröffnet.
Information zum Fürstenwall und seine Bebauung
Die wiederholt angesprochene Überbauung des Südabschnittes des noch erhaltenen Teils des Fürstenwalls gibt Anlass, über sein Entstehen und seine Entwicklung zu informieren.
Der Fürstenwall ist eine in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts geschaffene und zu Beginn des 18. Jahrhunderts modernisierte Zwingeranlage. In sie waren bestehende mittelalterliche Wehrtürme, wie „Kiek in de Köken“, einbezogen worden. Eine Zwingeranlage, oft auch als Rondengang (Rundweg) bezeichnet, musste mindestens so breit sein, dass auf ihr Geschütze aufgestellt werden konnten und eine Längsbewegung möglich war. Meistens wurden vor die Stadtmauer eine weitere mit Flankierungstürmen versehene Mauer und ein breiter Stadtgraben vorgelegt. Zwischen den Mauern entstand meistens ein Wall, der die Möglichkeit bot, Kasematten für verschiedene Zwecke vorzusehen.
Im Falle des Fürstenwalls bildete quasi die Stromelbe den Stadtgraben. Da der Fürstenwall als Zwinger nicht in die Elbe hineingebaut werden konnte, wurde die zweite Mauer rückwärtig errichtet.
Die zunehmende Schussweite der Kanonen zwang dazu, den Südabschnitt der Magdeburger Elbfront mit einer Zwingeranlage zu versehen. Artilleriebeschuss eines Angreifers aus dem Raum Cracau-Prester musste beantwortet werden können und seine Annäherung an die Wehranlagen verhindert, jedoch zumindest erschwert, werden.
Der Fürstenwall spannte sich einst von der Strombrücke, bis 1860 Nordseite der ehem. Reichsbahndirektion / heute Demenzzentrum liegend, bis zum Rondell Kleiner Gebhard (Bastion Cleve). Südlich des Turmes Kiek in de Köken sprang aus der Mauer in Richtung Elbe ein kleines Bollwerk heraus. Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau, Gouverneur des brandenburg-preußischen Herzogtums Magdeburg, ließ durch v. Walrave 1722 den Fürstenwall modernisieren und zugleich als Promenade für die von Festungswällen eingeschlossenen Bürgern der Stadt gestalten. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden weiter Veränderungen vorgenommen. In den 1970er Jahren wurde der kasemattierte, zwischen Gouvernementberg und Reichsbahndirektion befindliche Nordteil restlos abgetragen.
Das Ufergelände vor dem Fürstenwall wurde 1839/1840 aufgeschüttet, um Platz für den im August 1840 in Betrieb genommenen Bahnhof Magdeburg der Magdeburg-Leipziger Eisenbahngesellschaft zu gewinnen. Das Bahnhofsgelände, das später von zwei weiteren Eisenbahngesellschaften mitbenutzt wurde, war außerordentlich beengt, zumal einst noch das genannte Flankierungsbauwerk aus der Mauer herausragte. Es wurde erst um 1870 beseitigt, um mehr Platz für die Verkehrsanlagen, darunter auch für die Anlegung des Fürstenufers (Schleinufer) zu gewinnen. Durch den Abriss des kleinen Bollwerks sowie des Rondells Kleiner Gebhard wurde der elbseitige Mauerverlauf südlich des Turms „Kiek in de Köken verändert, d.h., in veränderter Lage neu aufgeführt.

Verein Freunde der Festung Magdeburg       
Gedanken zum Fort VI