Südfront Wallstraße im Bereich des Elbbahnhofs

Die Innere Wallstraße im Bereich des Elbbahnhofs wird im „Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Landeshauptstadt Magdeburg“ als Hammersteinweg bezeichnet. Sie begrenzte die Wallanlagen und diente der Erschließung des Kavalier I. Zwischen dem Schleinufer und dem westlichen Eisenbahntor des einstigen Elbbahnhofs ist die Innere Wallstraße bis vor kurze noch im ursprünglichen Zustand, nämlich gepflastert, erhalten gewesen. Die Nichtbenutzung führte zu einem Bewuchs. Die Pflasterung wurde aufgenommen und der Ausbau zu einer Erschließungsstraße vollzieht sich zurzeit.
Das Buckauer Eisenbahntor
Blick durch den Tunnel Foto: ue
Innere Wallstraße zwischen Schleinufer und westlichem Tor des einstigen Elbbahnhofs im ursprünglichen Zustand und im gegenwärtig laufende Ausbau zur Erschließungsstraße (05.06. und 02.09.2019) Quelle: bm
tunnel
wallstrasse

Fortsetzung I

Nordwestfront-Schrotdorfer Tor- Baustelle Luisenturm
Nordwestfront: Freilegung im Bereich des Schrotdorfer Tores nördlich der Virchowstraße - westlich der Erzbergerstraße
Bei Bauarbeiten an der Baustelle Luisenturm wurden weitere Fundamente der frühneuzeitlichen Befestigung freigelegt. (vgl. Festungsbote, 39. und 40. Ausgabe) Die freigelegten Mauern sind dem ehemaligen Schrotdorfer Tor zuzuordnen. wahrscheinlich handelt es sich dabei um den in den Stadtgraben hinabreichenden Rondellturm, der erst 1951 abgerissen worden ist.
schrotdorfer_tor
luisenturm
Das Schrotdorfer Tor, Darstellung in der Stadtansicht von Magdeburg von Hans Rentz (1552). Links
neben dem Tor ist der in den Graben hinabreichende Turm zu sehen.                                   Bearbeitung ue                                                                                   
Freigelegte Fundamentreste des Turms (März 2019)
                                                                      Foto: ue
Zitadelle und Stubengefängnis
Freilegungen auf dem ehemaligen Zitadellengelände
Im Zuge der Vorbereitungen zur Verlängerung der Strombrücke („Strombrückenzug“) über die Zollelbe und die Alte Elbe und die damit im Zusammenhang stehende veränderte Stadtparkerschließung wurden zwischen November2018 und Juni 2019 Mauerreste durch die Kampfmittelerkundung freigelegt. Ausnahmslos wurden sie wieder verfüllt. In den folgenden Ausführungen werden nur die wichtigsten Freilegungen genannt.bm
Fundamente des Stubengefängnisses
Die Zitadelle verfügte über ein Stubengefängnis für Offiziere. Es war ein freistehender Fachwerkbau. Es blieb bis in die 1930er trotz Abriss fast alle Gebäude bestehen. Es wurde 1937 abgetragen und der Republik Polen geschenkt. In ihm wohnte Józef Piłsudski (1867-1935), der erste polnische Staatspräsident, während seiner Festungshaft.bm
Das Stubengefängnis vor der Abtragung
Die freigelegten Fundamente des Stubengefängnisses (2019)Foto: schm
stubengefaengnis
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Kurtinenmauer zwischen den Bastionen Markgraf und Kronprinz
Abschnitte des Verbindungswalls zwischen den Bastionen wurden vorübergehend freigelegt. Der Wall bestand aus einer inneren und einer äußeren aus Bruchstein gefügten Mauer. Die Außenmauer besaß eine Backsteinverkleidung. Der Zwischenraum zwischen beiden Mauern war mit Erdstoff ausgefüllt. Die Außenmauer war in regelmäßigen Abständen zur Erhöhung ihrer Standsicherheit durch Mauerwerkspfeiler nach innen verstärkt.
Das in die Kurtine eingebundene Ziegeltor der Zitadelle wurde bereits im Herbst 2017 bei Suchgrabungen freigelegt.bm
Freigelegter Wallabschnitt der Kurtine Markgraf - Kronprinz.                                         Foto: schm
kurtinenmauer
Facen- und Flankenmauerreste der Bastion Markgraf
Mauerreste der Bastion Markgraf wurden freigelegt und zwar die der nördlichen Face und Flanke. Sie waren aus Bruchsteinen gefügt und hatten wie die Kurtinenmauern feldseitig eine Backsteinverkleidung. Die Oberkante des Mauerrestes hatte eine Breite von ca. 4 m. Bei ihrer Freilegung wurde ein ziegelgemauerter Brunnenschacht angeschnitten.bm
Mauerreste der Bastion Markgraf mit dem abgeschnittenen Brunnenschacht               
                                            Foto: schm
mauerreste der bastion markgraf
Entwässerungskanal
Auf der Ostseite der Zitadelle und zwar aus ihrem Innenhof in Richtung Zollelbe, stieß man auf einen unterirdischen Entwässerungskanal mit sich nach außen verjüngendem Profil. Der Kanal hat Bruchsteinwände und eine halbkreisförmige Ziegelüberwölbung. Er ist begehbar. Ob er neben der Entwässerung noch andere Funktionen hatte, ist unklar.bm
Entwässerungskanal der Zitadelle        Foto: schm
entwaesserungskanal der zitadelle
Das Buckauer Eisenbahntor, auch Neues Leipziger Eisenbahntor genannt, wurde im Zuge des Festungsumbaus zwischen 1870 und 1873 errichtet. Es war durch den Bau des innerhalb der Umwallung gelegenen Centralbahnhofs (heute Hauptbahnhof) erforderlich geworden. 1872 wurde der Bauzugverkehr und 1874 der fahrplanmäßige Reisezugverkehr durch die viergleisige Torpassage aufgenommen. Das Tor befand sich in der Höhe der Straße Am Buckauer Tor, die einst ein Abschnitt der inneren Wallstraße war. Oberirdisch hat sich lediglich ein unter Denkmalschutz stehendes zugewachsenes Blockhaus und unterirdisch der unter den Streckengleisen Magdeburg Hbf – Magdeburg-Buckau hin wegführende, einst graben seitig verteidigungsfähige Gang erhalten. Er verband die Flankenkasematten des Tors miteinander. Die Gleiszahl und im Prinzip die Lage der Gleisachsen sind in den knapp 150 Jahren unverändert geblieben. Im Zusammenhang mit den vorgesehenen Bauarbeiten zur Umgestaltung des Südkopfes des Bahnhofes Magdeburg Hbf steht die Frage, Gang umzugehen ist. Der Verein Freunde der Festung Magdeburg stellte den Antrag für seine Unterschutzstellung als Baudenkmal. Ihm wurde stattgegeben. Am 10. April 2019 erfolgte eine Begehung des Ganges, der
sich augenscheinlich in einem guten baulichen Zustand befindet. Eine Prüfung seiner Standsicherheit wurde von der DB AG veranlasst. Vom Beirat für Festungsanlagen wird von der Landeshauptstadt eine Stellungnahme erwartet.