Rettet die noch vorhandenen Magdeburger Festungswerke!
Vor einem Jahr wurde an dieser Stelle schon einmal die Frage gestellt: „Ist die Festung noch zu retten?“
Wie berechtigt die Frage war und ist, zeigt sich unterdessen. Die Festungswerke der Süd- und Westfront, die ein einmaliges Zeugnis des neu-preußischen Festungsbaus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts sind, wurden an private Investoren veräußert, obwohl ein Erwerb durch die Landeshauptstadt möglich gewesen wäre. Während die Stadt zusah, wie diese die Innenstadt umschließenden Immobilien „weggingen“, wurden Erfahrungsaustausche veranstaltet, Gutachten in Auftrag gegeben und nun soll noch ein Wettbewerb stattfinden. Die dafür ausgegebenen Mittel hätten wohl ausgereicht, um mindestens die Flächen der Westfront zu erwerben. Die Bürger wurden an verschiedenen Initiativen mehr oder minder beteiligt. Vieles wurde – und wird auch noch - so lange hinausgezögert, dass es gegenstandslos wird. Die Bürger glauben durch die Initiativen im Ravelin II und das Vorzeigeprojekt Kaserne Mark, dass alles bestens bestellt sei und dass mit dem von ihnen so gesehene Alleinstellungsmerkmal „Festung Magdeburg“ bei der Bewerbung Magdeburgs um den Zuschlag „Kulturhauptstadt Europas“ gepunktet werden kann. Dem Eigentümer des Kavaliers VI, der Beauflagungen zum Umweltschutz und zur Denkmalpflege zu respektieren hatte und hat, steht das Handeln im Kavalier I gegenüber. Der Eigentümer  des Kavaliers I handelt zurzeit nach dem Motto: „Als Eigentümer kann ich tun, was ich will“. Das kann vor Ort betrachtet werden! Was sagen die Denkmalbehörden dazu? Was sagt die denkmalrechtliche Genehmigung dazu aus? Ist sie überhaupt schon erteilt worden? Man stelle sich vor, die Stiftung „Dome und Schlösser“ käme auf die Idee, im Domdachstuhl Wohnungen einzubauen?! Es wird ein Präzedenzfall für den „freien“ Umgang mit allen übrigen Kavalieren geschaffen! Bald können wir in der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadt erneut sagen: Es war einmal.
Es kommt jetzt darauf an, der Zerstörung von Festungswerken, die einmalig sind, entgegen zu wirken. Wir rufen Sie dazu auf: Bürger äußert Euch! Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Der Vorstand des Vereins
Südfront: Kavalier I
Der Bauherr des Kavalier I ist dazu verpflichtet, das ursprüngliche Erscheinungsbild der Wehranlage zu erhalten. Das ist der Wallcharakter. Dafür hat er, nachdem die Erdabdeckung des Kasemattenkorps von ihm vollkommen abgetragen worden ist, einen Vorschlag dem Baudezernat der Landeshauptstadt und den Denkmalschutzbehörden zu unterbreiten. Im Juli 2019 lag auf Anfrage des Festungsbeirates noch kein Vorschlag zur Neugestaltung des Walles und seines Profils vor. Dem Vernehmen nach soll der Bauherr unterdessen einen solchen unterbreitet haben. Vor Wochen sind an zwei Abschnitten der Südseite des Kasemattenkorps grüne Planen gespannt worden. Sollte das der Vorschlag zur beabsichtigten Neugestaltung sein, so ist diesem entschieden zu widersprechen. (siehe Abbildung)
Der Eigentümer und Bauherr hat beim Stadtrat der Landeshauptstadt den Antrag gestellt, den Hammersteinweg zugunsten des Kavaliers I umzubenennen, um an das Festungswerk zu erinnern. (!) Dem ist nur hinzuzufügen: Wo ist das denkmalgeschützte Kavalier I hin? Wo ist es geblieben? Das allein wissen nur der Bauherr und die ihn kontrollierenden Behörden!
FortVI

bm

Stellungnahme zum derzeitigen Zustand des Forts VI der ehemaligen Festung Magdeburg und die möglichen Perspektiven zu seinem Erhalt und zu seiner schonenden gesellschaftlichen Nutzung
Der Magdeburger Fortgürtel, zu dem das Fort VI gehört, wurde im Deutschen Krieg von 1866 provisorisch sowohl zum Schutze der Festung als auch im Zuge ihrer vorübergehenden Funktion als Lagerfestung angelegt. Bis 1873/1874 wurde das Fort als permanentes Festungswerk ausgebaut. 1900 wurde das Fort im Rahmen der Entfestigung aufgegeben. Eine Radialchaussee mit unterschiedlichen Deckenbefestigungen verband das Fort mit der Festung. Es ist davon auszugehen, dass das Fort VI  auch Übungszwecken diente. Dafür sprechen einerseits die vergleichsweise große sich kehlseitig erstreckende Grundstücksfläche und ein Stadtwasseranschluss, über den die übrigen Forts nicht verfügten, sowie das Vorhandensein eines Blockhauses.

Der geschlossene Wall des Forts setzt sich ringförmig aus einem Glacis, einem hinter seinem Kamm befindlichen gedeckten Weg, einem Trockengraben und einem Hauptwall zusammen. Seine Kasematten sind einschließlich der Saillantpoterne erhalten geblieben. Sie wurden für den Luftschutz in den 1930er Jahren mehr oder minder stark verändert. Das trifft auch auf Veränderungen durch die Nutzung des Forts für Übungszwecke durch die Zivilverteidigung der DDR in den 1970er Jahren zu. Damals erfolgten Eingriffe in den Hauptwall  und das Grabenprofil. Dadurch ist der Wasserabzug des Grabens gestört. Die Grabensohle ist mit Wasser bedeckt. Ein ursprünglich vorhanden gewesenes Blockhaus, ein Pferdestall und die Grabenkaponnieren existieren nicht mehr. Die noch vorhandenen Kasematten und die im Schutze der Mitteltraverse befindliche Latrine sind in der Anlage aufgelistet. Die im Kehlbereich befindlichen Bauten einer Waldschule der 1920er Jahre sind nach 1990 beseitigt worden.

Insgesamt kann festgestellt werden, dass das Fort VI das am besten erhaltene ist. Die  Wallprofile sind zu erkennen. Die meisten Kasematten sind vorhanden. Der Vandalismus hält sich in Grenzen. Das Fort leidet in allen seinen Bestandteilen an seiner Selbstüberlassung. Daraus ergibt sich:
    Die Eigentümerschaft der Landeshauptstadt am Fort VI ist zu erhalten.
Das Fort VI ist in seinem gegenwärtigen Zustand zu erhalten. Dazu ist von der Landeshauptstadt ein Unterhaltungsplan zu erarbeiten und zu beschließen.
Die Kasemattenräume sind zu sichern. Dadurch ist auch ein voranschreitendes Rosten der bombensicheren Decken zu verlangsamen.
Eine begrenzte gesellschaftliche Nutzung ist anzustreben. Dazu empfiehlt es sich, öffentliche Führungen anzubieten und Träger für gelegentliche Veranstaltungen zu finden. Dazu wird ein Vorschlag erarbeitet werden.
     Magdeburg, im März 2016  

Aufruf

Erwerb des Forts VI durch die Landeshauptstadt Magdeburg
Der Verein Freunde der Festung Magdeburg fordert die Landes­hauptstadt dazu auf, das in Landesbesitz befindliche Gelände des ehemaligen Forts VI zu erwerben und zu einem Freizeitzentrum zu entwickeln. Es ist zu verhindern, dass das Gelände in Privat­besitz übergeht und Investoren die Zukunft des noch am besten erhaltenen Forts der einstigen Festung Magdeburg nach eigenem Ermessen bestimmen.
Ein Kristallisationspunkt für die Naherholung und ein Ort für stadtteilspezifische Bürgerveranstaltungen fehlt im Nordwesten der Stadt. Das Fortgelände VI bietet sich dafür an. Es kann zum Mittelpunkt des in seiner Nachbarschaft befindlichen öffentlichen Grüns entwickelt werden.
Mit dem Erwerb wird in einem ersten Schritt die städtische Pla­nungshoheit gesichert. In weiteren Schritten hat in Abhängigkeit von Nutzungsvarianten und der Haushaltslage der Landeshaupt­stadt der Ausbau zu erfolgen.
Das Gelände besteht aus zwei Teilen: der denkmal- und teilweise naturrechtlich geschützten Wehranlage und der sich nach Osten anschließende zurzeit noch gewerblich genutzten Fläche. Die Wehranlage mit ihren noch erhaltenen und möglicherweise wieder zu ergänzenden Bauten ermöglicht eine vielgestaltige Nutzung. Eine Denkmaldokumentation lässt das Landesamt für Denkmal­pflege und Archäologie zurzeit erstellen. Sie wird erlauben, den materiellen und finanziellen Aufwand für die Sicherung des Be­standes abzuschätzen.
Es gilt, die Chance zu nutzen, einerseits eine einstige Wehranla­ge zu erhalten und sie andererseits zum Freizeitzentrum für die Bürger zu entwickeln.
Fort VI
Im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie hat der Verein Freude der Festung Mag­deburg damit begonnen, das an der Lerchenwuhne gelegene, unter Denk­malschutz stehende Fort VI zu doku­mentieren. Gleichzeitig wurde das von S. Schmiedecke gestaltete Informati­onsblatt zum Fort, das zum „Tag des offenen Denkmals 2018“ erstellt wurde, aktualisiert. Es ist beim Verein gegen eine geringfügige Spende erhältlich.
flyer
Im Februar 2020 fand mit einer begrenzten Teilnehmer­zahl eine Begehung des Forts VI mit dem Ziel statt, Pflegear­beiten und die Erstellung einer Denkmaldokumentation vor­zubereiten. Coronabedingt konnte nicht zur Mitwirkung an den Pflegearbeiten aufgerufen werden. Für die Denkmaldo­kumentation wurde zwischen dem Verein und dem Landes­amt für Denkmalpflege und Archäologie eine Vereinbarung abgeschlossen.
begehung
Begehung des Forts VI am 22. Februar 2020
Foto: Verein
Stellungnahme zum Kavalier I
Vermerk zur Unterschutzstellung eines an der Schleusenstraße gelegenen Gebäudes: Magdeburg, Stadtparkstraße 1 E

Das Haus liegt an der im Straßenverzeichnis nicht mehr geführten Schleusenstraße und hatte die Anschrift Stadtparkstraße 1 E. In den nach 1945 erschienen Adressbüchern wird es nicht mehr gesondert aufgeführt, obwohl es existierte.
Das Gebäude ist ein – berücksichtigt man das ausgebaute Dachgeschoss – zweigeschossiger und augenscheinlich holzverkleideter Fachwerkbau. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um ein Rayonhaus handelt. Dieser ging der Arbeitskreis nach. Er kommt zu folgendem Ergebnis:
Das Haus ist vermutlich erst nach der Aufhebung der Rayonbestimmungen und der Auflassung der Festungswerke Mittelwerk (1891) geschaffen worden. Es wurde auf einem städtischen Grundstück errichtet, das aus dem Grundstück „Stadtbauplatz“ zusammen mit dem Grundstück Stadtparkstraße 1 separiert wurde. Auf ihm wurde wahrscheinlich zeitgleich ein mehrgeschossiges in Stadteigentum befindliches Wohnhaus errichtet, das im 2. Weltkrieg zerstört und nicht wiederaufgebaut wurde. Das Haus auf dem Grundstück 1 E blieb dagegen von der Zerstörung verschont. Es diente um 1900 als Gaststätte. Seine Bezeichnung war „Café Wiesenpavillon“. Vor dem Zweiten Weltkrieg ging das Grundstück in Privateigentum über und diente als Wohnhaus („Einfamilienhaus“). Zurzeit steht es leer.
Im Denkmalplan der Landeshauptstadt wird das Haus nicht als Denkmal ausgewiesen. Eine Unterschutzstellung des Hauses ist als Zeugnis der Bebauung des Rayons nach 1890 und als Ausflugsziel zu empfehlen, zumal es den Charakter eines Schweizer Hauses hat und damit auch mit der translozierten Milchkuranstalt im Park am Fürstenwall zu sehen ist. Die meisten zeitgenössischen Ausflugsgaststätten des 19. Jahrhunderts gingen verloren.
Magdeburg, im Januar 2021

Mit freundlichem Gruß

Dr.-Ing. Bernhard Mai
- Vorsitzender des Vereins -                                                                                                              

Verein Freunde der Festung Magdeburg e.V.

AK Festungswerke

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Brand im ehemaligen „Café Wiesenpavillion“

Abgebranntes Haus
Zusammen mit der Bürgerinitiative „Rettet den Stadtpark Rotehorn!“ und unserem Verein wollten wir dieses Gebäude unter Schutz stellen lassen. Diese Bemühungen sind mit dem verheerenden Brand nun hinfällig.
    Auf Volksstimme-Nachfrage bestätigt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie mit Sitz in Halle, dass eine Anfrage zum Denkmalstatus des Hauses vom Verein „Freunde der Festung Magdeburg“ aus dem Januar vorgelegen hätte. Die Vorprüfung des Sachverhalts hätte ergeben, „dass die vom Verein angeführten Kriterien zum Bautypus und zum Baualter nicht allein für eine Unterschutzstellung ausreichen“, erklärt der Gebietskonservator Andreas Huth. Der Bautyp des Rayonhauses wäre bereits mit einer großen Anzahl im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt vertreten. Hinzukomme, dass sich ein unmittelbarer militärgeschichtlicher Kontext in Bezug zur Magdeburger Zitadelle oder eine technikgeschichtliche Funktion als Schleusenwärterhaus archivalisch nicht nachweisen ließen.
    Das Haus wäre vom Landesamt also vermutlich eher nicht unter Schutz gestellt worden. Renate Fiedler, Sprecherin der Bürgerinitiative „Rettet den Stadtpark Rotehorn!“, sieht das Problem, dass durch den Brand die Möglichkeit verschwunden ist, Widerspruch gegen einen negativen Denkmal-Bescheid einzulegen. „Es ist kurios, dass das Gebäude niederbrennt“, sagt sie. In Kombination mit der zunehmenden Verwahrlosung der leer geräumten Kleingartenanlage, die gleich nebenan liegt, will sie eine „gewisse Stimmungslage“ erkennen, die einer künftigen Bebauung des Geländes zum Vorteil reichen könnte. Renate Fiedler hätte sich gewünscht, dass man das alte Haus erhält. In den Räumen hätte zum Beispiel eine Informationsstätte zum Rayon einziehen können, spekuliert sie. Jetzt bleibt wohl nichts anderes übrig, als die verkohlte Ruine samt ihrer Geschichte abzureißen.
Als die Feuerwehr eintraf, schlugen die Flammen bereits aus allen Fenstern.
Ölgemälde vom Brand
Das alte Haus war nicht mehr zu retten.
Foto: bp