Stellungnahme

Stellungnahme zum derzeitigen Zustand des Forts VI der ehemaligen Festung Magdeburg und die möglichen Perspektiven zu seinem Erhalt und zu seiner schonenden gesellschaftlichen Nutzung

Der Magdeburger Fortgürtel, zu dem das Fort VI gehört, wurde im Deutschen Krieg von 1866 provisorisch sowohl zum Schutze der Festung als auch im Zuge ihrer vorübergehenden Funktion als Lagerfestung angelegt. Bis 1873/1874 wurde das Fort als permanentes Festungswerk ausgebaut. 1900 wurde das Fort im Rahmen der Entfestigung aufgegeben. Eine Radialchaussee mit unterschiedlichen Deckenbefestigungen verband das Fort mit der Festung. Es ist davon auszugehen, dass das Fort VI  auch Übungszwecken diente. Dafür sprechen einerseits die vergleichsweise große sich kehlseitig erstreckende Grundstücksfläche und ein Stadtwasseranschluss, über den die übrigen Forts nicht verfügten, sowie das Vorhandensein eines Blockhauses.

Der geschlossene Wall des Forts setzt sich ringförmig aus einem Glacis, einem hinter seinem Kamm befindlichen gedeckten Weg, einem Trockengraben und einem Hauptwall zusammen. Seine Kasematten sind einschließlich der Saillantpoterne erhalten geblieben. Sie wurden für den Luftschutz in den 1930er Jahren mehr oder minder stark verändert. Das trifft auch auf Veränderungen durch die Nutzung des Forts für Übungszwecke durch die Zivilverteidigung der DDR in den 1970er Jahren zu. Damals erfolgten Eingriffe in den Hauptwall  und das Grabenprofil. Dadurch ist der Wasserabzug des Grabens gestört. Die Grabensohle ist mit Wasser bedeckt. Ein ursprünglich vorhanden gewesenes Blockhaus, ein Pferdestall und die Grabenkaponnieren existieren nicht mehr. Die noch vorhandenen Kasematten und die im Schutze der Mitteltraverse befindliche Latrine sind in der Anlage aufgelistet. Die im Kehlbereich befindlichen Bauten einer Waldschule der 1920er Jahre sind nach 1990 beseitigt worden.

Insgesamt kann festgestellt werden, dass das Fort VI das am besten erhaltene ist. Die  Wallprofile sind zu erkennen. Die meisten Kasematten sind vorhanden. Der Vandalismus hält sich in Grenzen. Das Fort leidet in allen seinen Bestandteilen an seiner Selbstüberlassung. Daraus ergibt sich:
Die Eigentümerschaft der Landeshauptstadt am Fort VI ist zu erhalten.
Das Fort VI ist in seinem gegenwärtigen Zustand zu erhalten. Dazu ist von der Landeshauptstadt ein Unterhaltungsplan zu erarbeiten und zu beschließen.
Die Kasemattenräume sind zu sichern. Dadurch ist auch ein voranschreitendes Rosten der bombensicheren Decken zu verlangsamen.
Eine begrenzte gesellschaftliche Nutzung ist anzustreben. Dazu empfiehlt es sich, öffentliche Führungen anzubieten und Träger für gelegentliche Veranstaltungen zu finden. Dazu wird ein Vorschlag erarbeitet werden.

Magdeburg, im März 2016

Stellungnahme zum Kavalier I

Rettet die noch vorhandenen Magdeburger Festungswerke!
Vor einem Jahr wurde an dieser Stelle schon einmal die Frage gestellt: „Ist die Festung noch zu retten?“
Wie berechtigt die Frage war und ist, zeigt sich unterdessen. Die Festungswerke der Süd- und Westfront, die ein einmaliges Zeugnis des neu-preußischen Festungsbaus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts sind, wurden an private Investoren veräußert, obwohl ein Erwerb durch die Landeshauptstadt möglich gewesen wäre. Während die Stadt zusah, wie diese die Innenstadt umschließenden Immobilien „weggingen“, wurden Erfahrungsaustausche veranstaltet, Gutachten in Auftrag gegeben und nun soll noch ein Wettbewerb stattfinden. Die dafür ausgegebenen Mittel hätten wohl ausgereicht, um mindestens die Flächen der Westfront zu erwerben. Die Bürger wurden an verschiedenen Initiativen mehr oder minder beteiligt. Vieles wurde - und wird auch noch - so lange hinausgezögert, dass es gegenstandslos wird. Die Bürger glauben durch die Initiativen im Ravelin II und das Vorzeigeprojekt Kaserne Mark, dass alles bestens bestellt sei und dass mit dem von ihnen so gesehene Alleinstellungsmerkmal „Festung Magdeburg“ bei der Bewerbung Magdeburgs um den Zuschlag „Kulturhauptstadt Europas“ gepunktet werden kann. Dem Eigentümer des Kavaliers VI, der Beauflagungen zum Umweltschutz und zur Denkmalpflege zu respektieren hatte und hat, steht das Handeln im Kavalier I gegenüber. Der Eigentümer  des Kavaliers I handelt zurzeit nach dem Motto: „Als Eigentümer kann ich tun, was ich will“. Das kann vor Ort betrachtet werden! Was sagen die Denkmalbehörden dazu? Was sagt die denkmalrechtliche Genehmigung dazu aus? Ist sie überhaupt schon erteilt worden? Man stelle sich vor, die Stiftung „Dome und Schlösser“ käme auf die Idee, im Domdachstuhl Wohnungen einzubauen?! Es wird ein Präzedenzfall für den „freien“ Umgang mit allen übrigen Kavalieren geschaffen! Bald können wir in der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadt erneut sagen: Es war einmal.
Es kommt jetzt darauf an, der Zerstörung von Festungswerken, die einmalig sind, entgegen zu wirken. Wir rufen Sie dazu auf: Bürger äußert Euch! Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!
Der Vorstand des Verein
FortVI