Kurzmitteilungen: Neues aus der Festung

Karolingisches Kastell Biederitz

„Karolingerzeitliches Grenzkastell bei Magdeburg lokalisiert!“
So lautet die Schlagzeile einer Meldung des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt vom 29. Oktober 2019. Es ist ein sensationeller Fund, den das Landesamt gemacht hat. Dabei maß die zu untersuchende Fläche, eine Baugrube, nur 1060 m².
Karl der Große hatte, nachdem er das Herzogtum Sachsen unterworfen und in sein Reich eingegliedert hatte, Magdeburg 805 zum Grenzhandelsplatz mit den Slawen bestimmt. Vor dem Magdeburger Kastell erstreckt sich auch heute noch die mehrere Kilometer breite Flussniederung der Elbe nach Osten. Bekannt ist aus einer zeitgenössischen Quelle, dass zu dieser Zeit ein Kastell „ad aquilonem partem Albiae contra Magadaburg“ bestand. Es wird seit langer Zeit versucht, es zu lokalisieren. Mehrere Stellen kamen in Betracht.
Innerhalb der Ortslage von Biederitz konnte nun ein karolingisches Kastell nachgewiesen werden. Es wurde eine Graben-Wall-Anlage bestehend aus zwei Wällen und Gräben entdeckt. Der innere Graben war laut Angabe des Landesamtes 13 m breit und 3,5 m tief. Der äußere hatte die geringeren Abmessungen von 5 und 1,5 m. Darüber hinaus konnten Bodenfunde sowohl innerhalb als auch außerhalb der Anlage gemacht werden. Leider musste die Fundstelle für die Überbauung freigegeben werden. Die Auswertung der Befunde hält noch an.
Dass es das genannte Kastell ist, ist wahrscheinlich. Biederitz selbst, das auf einem Höhenrücken liegt, wurde zum ersten Mal 948 in der Gründungurkunde des Bistums Brandenburg genannt. Im Mittelalter besaß es eine nicht mehr vorhandene Burg und war zugleich ein Burgwardhauptort. Im 9. und 10. Jahrhundert soll ein Elbarm laut „Atlas des Saale- und Mittleren Elbgebietes“ Biederitz tangiert haben. Für Biederitz spricht, dass damals bereits zwischen ihm und der Alten Elbe in Magdeburg keine weiteren Elbarme zu überwinden waren. Das Kastell war quasi ein Brückenkopf von Magdeburg auf der gegenüber liegenden Talseite zur Sicherung der Talquerung für den Handel und zur Abwehr von in das westelbische Gebiet vordringenden Slawen.
bm
Quelle: Pressemitteilung des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt vom 29. Oktober 2019
Abbildung :
Elbverlauf zwischen Schönebeck und Magdeburg
Gewässernetz: hellblau vor dem 10. Jh., dunkelblau bis ins 16. Jh., schwarz Gegenwart.
Quelle: Atlas des Saale- und mittleren Elbegebietes, 2. Auflage (1960), Blatt 7, Ausschnitt.
elbverlauf

Stadtratsbeschluss zur Aufstellung des B-Planes für das Gelände des ehemaligen Fort I

Der Stadtrat der Landeshauptstadt Magdeburg hat in seiner Sitzung am 14. November 2019 zur Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 471-2 „Alt Fermersleben / Schanzenweg“ beschlossen, den räumlichen Geltungsbereich dafür erneut abzugrenzen. Gleichzeitig wurde der Beschluss 318-51/91 der Stadtverordneten Versammlung vom 12. Dezember 1991 zur Aufstellung des Bebauungsplanes 471-1 aufgehoben. Beide Beschlüsse unterscheiden sich darin, dass der räumliche Geltungsbereich durch den jüngeren Beschluss nach Nordwesten erweitert wurde. Der Geltungsbereich bezieht sich auf die mittlere und östliche Fläche des ehemaligen Fort I, das durch die Straßenzüge Schanzenweg / Alt Fermersleben / Am Fort umschlossen und im Westen durch die Kleingartenanlage „Am Fort I“ begrenzt wird.

Mit dem Beschluss „werden folgende Planungsziele angestrebt:
- Schaffung von Baurecht für einen Grundschulneubau
- Sicherung der verkehrlichen Erschließung
- Schaffung von sicheren Wegeverbindungen für Fußgängerrinnen, insbesondere für Kinder 
- Weitestgehender Erhalt der Kleingartenanlage Fort I

Das Fort I, einst auf der Flur der Gemeinde Fermersleben außerhalb des Stadtkreises Magdeburg gelegen, wurde als erstes Fort nach der Aufhebung des Festungszwanges im Jahre 1900 geschleift und im Verlauf der Jahrzehnte die dadurch geschaffenen Flächen immer wieder umgenutzt. Außer den Bezeichnungen „Fort I e.V.“ für eine Kleingartenanlage und die Straßenbezeichnung „Am Fort“ erinnert nichts mehr an die einstige Wehranlage. Die augenscheinliche Lokalisierung von einstmals Vorhandenem ist schwierig. Die Verkehrsanbindung des Forts wurde noch kurz vor Aufhebung des Festungszwanges verändert. Die Straßenbezeichnung Schanzenweg erinnert an die Ringchaussee, an die über Stichstraßen, „Radialchausseen“ genannt, die Forts und Zwischenwerke angeschlossen waren. Die Ringchaussee verlief bis zur Anlegung des Schanzenweges direkt von der Sandbreite zur Salbker Chaussee bei niveaugleicher Kreuzung der Streckengleise von Magdeburg in Richtung Halberstadt und Leipzig. Mit dem durchgreifenden Umbau der Buckauer Eisenbahnanlagen entstand zwischen 1893 und 1896 der Bahnhof Magdeburg-Buckau Vbf. Die Verbindung von Sandbreite und Salbker Chaussee wurde unterbrochen und durch den weiter südlich unter den Gleisanlagen hindurchführenden Schanzenweg, der an die Salbker Chaussee angeschlossen wurde, hindurchgeführt. Die einstige Straßenpflasterung wurde in der jüngeren Vergangenheit gegen Schwarzdecken ausgetauscht oder mit solchen überzogen. Lediglich in der Sandbreite ist noch ein geringer gepflasterter Abschnitt erhalten geblieben.

Das einstige Fortgelände steht nicht unter Denkmalschutz. Bei B-Planaufstellung sind keine fortifikatorischen Belange zu beachten.

Quelle zum Stadtratsbeschluss: Amtsblatt für die Landeshauptstadt Magdeburg vom 10. Jan. 2020, S. 9-12
Abbildungen
fort1 e.v.
fort1 um 1880
strasse am fort1
Die Lage des Forts I um 1890 vor Beginn der Errichtung des Bahnhofs Magdeburg-Buckau Vbf; später als Rbf bezeichnet.
Die an das Fort erinnernden Bezeichnungen: Kleingartenanlage „Fort I e.V.“ und Straße „Am Fort“.
“Osterfeuer” im Kavalier I
Der nachfolgende Beitrag wurde dem Verein Freunde der Festung Magdeburg in dem wiedergegebenen Wortlaut zugesandt. Er ist die gekürzte Fassung eines für die Veröffentlichung in der Tageszeitung “Magdeburger Volksstimme” vorgesehen gewesenen Beitrags, der dort nicht abgedruckt wurde.
„ICH MACHE MIR DIE WELT, WIE SIE MIR GEFÄLLT“
Zum Thema „Osterfeuer“
Anfang März 2020 wurde im Innenhof der ehemaligen Festung „Scharnhorst“ - heute (S)ONNENALLEE zum wiederholten Male ein riesengroßer Haufen (ca. 4 m hoch) aufgetürmt. Es handelte sich wieder um die Baustellenabfälle, Kunststoffartikel, dazu eine Matratze, Bäume vom Trümmerberg (!) und anderen Unrat.
     Da die Anwohner die stinkenden, qualmenden, gesundheitsschädlichen Rauche und Stäube nicht wieder hinnehmen wollten, wurde das Umweltamt - niedere Abfallbehörde - Mitte März 2020 schriftlich davon in Kenntnis gesetzt. Am 17. März 2020 teilte die Bearbeiterin des Umweltamtes mit, dass sie nicht zuständig sei und das Schreiben weitergeleitet habe, an wen ließ sie offen. Und überhaupt, wo sich die Festung Scharnhorst denn befinde? Es geschah nichts. Daher gingen wir davon aus, dass das Thema erledigt sei und der Haufen ordnungsgemäß als Sondermüll mit Begleitschein entsorgt werden müsse.
     Am Karfreitagabend, 10. April 2020, gegen 20.30 Uhr brannte der aufgeschichtete Haufen Unrat lichterloh. Eine 6 m hohe Flamme und die Rauchfahne sind auf dem beigefügten Foto gut zu erkennen. Jemand rief die Feuerwehr. Diese rückte mit drei Löschzügen an. Sie konnten aber nicht auf das Grundstück, da ein Kleintransporter der Feuerwehr in der Einfahrt stand und so den Löschzügen die Einfahrt verwehrte. Nach ca. 20 min. bekamen die Feuerwehrleute offenbar das Kommando zum Abzug.
     Die Flammen loderten die ganze Nacht hindurch und niemand fühlte sich zuständig, diesem Treiben ein Ende zu bereiten. Noch am nächsten Morgen quiemte der Rest des Feuers. Von Brandstiftung kann hier aber nicht die Rede sein. Schließlich war es eine Wiederholungstat.
     Wenn man nun glaubt, das wären die einzigen Bäume vom Trümmerberg, die bisher vernichtet wurden, ist man auf dem s. g. Holzweg. Elbseitig wurden schon vor über einem Jahr Bäume umgewalzt und unter meterhohen Sandbergen begraben. Und auch am Hammersteinweg wurden die großen Bäume schon vor ca. drei Jahren von unten eingebuddelt und nun sterben sie langsam ab. Tja, manchen Bürgern wird auch ein kleines Feuer gelöscht und hier darf ein riesiges Feuer voll mit Schadstoffen - den Behörden bekannt - einfach abgefackelt werden, um die Entsorgungskosten zu sparen. Und über das Bauschild, was man seit fast vier Jahren vergeblich an der Baustelle sucht, wollen wir gar nicht reden, denn nicht jeder Bürger ist halt gleich.
     Der Bauherr, Herr Onnen setzt sich unter den Augen der zuständigen Behörden, über alle Vorgaben des Denkmalschutzes hinweg, und kommt damit durch, das ist der eigentliche Skandal.

G. Krüger
und weitere Anwohner
foto1_scharnhorst
foto2_scharnhorst
Hohe Stichflamme mit Rauchsäule am 10. April 2020 gegen 20.40 Uhr
Foto: G. Krüger
Hier sieht man den Rest des Haufens am nächsten Nachmittag
Foto: G. Krüger

Traueranzeige

Neues aus der Festung

Begleitbroschüre zum Denkmalpflegeplan Festung Magdeburg

undercover
Undercover der Broschüre
Foto: bm
In der so genannten „Weißen Reihe“, Veröffentlichungen des Stadtplanungsamtes der Landeshauptstadt, ist soeben
das Heft 108 unter dem Titel „Festungsanlagen der Stadt Magdeburg Beitrag zum Denkmalpflegeplan“ erschienen.
Die Autorin ist Sabine Ullrich. Das Stadtplanungsamt gibt die 60seitige und mit zahlreichen Abbildungen und einem
Übersichtsplan versehene Broschüre kostenlos ab.